Geschichte

Die eigentliche Gründung der Musikgesellschaft Randegg im März 1864 ergab sich aus dem Zusammenschluss zweier seit früherer Zeit schon bestehender Musikgruppen.

Es waren dies:

Gerhard Handloser

Guntram Moosmann

Maurus Brütsch

Michael Brütsch

Eduard Brütsch

und

Johann Handloser Medard Martin

Cesar Brütsch Berthold Brütsch

Isidor Hirt Emanuel Wider

Unter Absatz 2 des Gründungsprotokolls steht zu lesen:“ Sämtliche Mitglieder haben zum Zweck, sich durch ihre Musikaufführung gegenseitig zu unterhalten und zu erfreuen und auch die kirchlichen und weltlichen Feste im Ort würdig zu feiern.“

Die Dirigentenstelle versah Gerhard Handloser, sein „Gehilfe“ war Michael Brütsch.

Jeder Musiker musste sich für volle 6 Jahre verbindliche verpflichten, den Verein nicht vor Ablauf dieser Frist zu verlassen. Ausnahmen bildeten nur Militärdienst und Krankheit.

Das Instrumentarium bestand aus: 1 Es Bombardon, 2 B Althörner, 1 Es Althorn, 1 C Zylinder Trompete, 1 B Trompete, 1 Es Trompete, 2 Es Klarinetten und 2 B Klarinetten, ausserdem waren 16 Bücher Musikalien vorhanden. Unentschuldigtes Fernbleiben von den Proben oder ungebührliches Verhalten gegenüber den Kameraden wurden mit 6 Kreuzer Strafe geahndet. Jedes neu eingetretene Mitglied musste den zehnten Teil von den Gründungsmitgliedern seiner Zeit gestifteten Betrages als Aufnahmegebühr einbringen!

Der erfolgreichste Musiker, der aus Randegg hervorging war Konstantin Handloser. Er ging in das Grenadier-Regiment nach Mannheim, wo er auch Musik studierte. Dort wurde er 1872 zum Kapellmeister befördert und verrichtete als solcher seinen Dienst bei der Konstanzer Militärmusik. 1881 wurde er zum königlichen Musikdirigenten und 1885 zum königlichen Musikdirektor ernannt.

Aus den weiteren Paragraphen geht ferner hervor, dass die Musik öfters in der näheren und weiteren Umgebung, namentlich auch in der schweizerischen Nachbarschaft zum Tanz aufgespielt hat und das der Erlös jeweils nach einem genau festgelegten Schlüssel verteilt werden musste, da die Gesellschaft ausser diesen Einnahmen keinerlei Unterstützung durch Mitgliederbeiträge oder Zuwendungen durch die Gemeinde besaß.

Nur noch wenige alte Männer sind es, die sich zu erinnern vermögen, wie es war, als ihr Vater noch bei der Musik war.

Am 18. April 1926 erfolgte dann die eigentliche Vereinsgründung im Gasthaus Zur Krone.

Als erster Vorstand wurde Bürgermeister Schneble gewählt, als Rechner Karl Hirt und als Schriftführer Josef Dietrich. Mitglieder des Verwaltungsrates waren Johann Brütsch, Dirigent Jahnn Wieland Maurermeister, Josef Moosmann Schreinermeister und Emil Heid Landwirt, während Josef Frommherz als Vereinsdiener fungierte.

Ausser 14 aktiven Musikern zählte der Verein ca. 70 Passivmitglieder. Der Vereinsbeitrag wurde auf 2 DM und 40 Pfennige festgelegt. 1927 tritt der Verein der Hegau-Musikverband bei.

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass ausser den persönlichen Einflüssen der Mitglieder auch der Gang der Zeitgeschichte dem Vereinsleben seinen Stempel aufdrückt.

Während die Jahre bis 1930 unter Bürgermeister Schneble als Vorstand und Erwin Heinzelmann als Dirigent eine ruhige Aufwärtsentwicklung der Kapelle und des Vereins verzeichneten, scheint spätestens ab 1931 das Vereinsgeschehen in Bewegung geraten zu sein.

Nachdem Bürgermeister Schneble 1930 das Amt des Vorstandes niederlegte, trat an seine Stelle Wilhelm Rapp. 1932 zog Rapp von Randegg weg und Schneidermeister Johann Schneider führte die Geschäfte bis zur Ablösung durch Johann Hirt – Schmiedemeister- weiter. Anstelle des Dirigenten Erwin Heinzelmann leitete nun Albert Müller die Kapelle. 1935 bis 1939 stand August Brütsch an der Spitze des Vereins, während ab 1935 die Dirigentenstelle zunächst auf J. Weindel und 1938 auf Friedrich Graf, überging.

Ab 20. April 1940 schweigt das Protokoll und der unglückselige Krieg breitete zum zweiten Mal sein Leichentuch auch über diese Gemeinschaft von Musikerfreunden aus.

Erst im Februar 1947 gelang es, den Verein neu zu konstituieren. Es war in erster Linie der Verdienst des Dirigenten Albert Müller, dass der Verein schon bald wieder eine spielfähige Mannschaft besaß. Bernhard Wider Sen. übernahm das Steuer des Vereinsschiffes, bis er altershalber das Amt 1951 an Alfons Wunsch abtrat. Für sein uneigennütziges Wirken wurde Bernhard Wider durch die Generalversammlung zum Ehrenvorstand ernannt.

Im Juli 1952 beging der Musikverein Randegg mit zweijähriger Verspätung die Feier seines 85-jährigen Bestehens. Elf auswärtige Musikvereine nahmen daran teil. Anstelle des aus Gesundheitsrücksichten zurücktretenden Alfons Wunsch versah Karl Hirt den Vorstandsposten, bis 1953 Thomas Brütsch –Landwirt- die Vereinsleitung übernahm. Um der Kapelle auch äusserlich einen rechten Rahmen zu geben, wurde die Anschaffung von Uniformröcken beschlossen. Am 02., 03., und 04. Juni 1956 fand in Randegg das Gruppenkonzert der Gruppe II des Hegau-Musikverbandes statt. Am 50-jährigen Jubiläumsfest der Stadtmusik Singen wurde der verdiente Dirigent Albert Müller durch Herzschlag mitten aus seiner erfolgreichen Tätigkeite herausgerissen. Am 15. August 1956 gab ihm seine Kapelle für die er so viel geleistet hatte, das letzte Geleit. Im Verein breitete sich eine große Ratlosigkeit aus. Vorstand Thomas Brütsch glaubte, dass die Voraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit der Kapelle nicht mehr gegeben sei und bot seinen Rücktritt an. In einer ausserordentlichen Generalversammlung wurde Bruno Oppe zum neuen Vorstand gewählt. Josef Bieth aus Ehingen wurde als neuer Dirigent verplichtet.

Am 11.11. 1956 stand der Verein wiederum am Grabe eines um die Musikkapelle verdienten Mannes, des langjährigen Vorstandes Bürgermeister Schneble. 1957 sank der Bestand der Aktiven auf 14 Mann. 6 Musiker verließen auf einen Schlag den Verein, jedoch gelang es 5 neue Zöglinge zu gewinnen. Die Tatsache des fast völligen Fehlens der älteren Jahrgänge, im Gegensatz zu anderen Vereinen, belastete die Kapelle sehr, weil ein ausgleichendes Element nicht vorhanden war.

Da ein richtiges Einvernehmen zwischen Dirigent und Kapelle nicht herzustellen war, trat Josef Bieth von seinem Posten zurück und Richard Müller, Sohn des vormaligen Dirigenten führte das Werk seines Vaters weiter. 1958 stand der Verein vor dem Problem, entweder den größten Teil der 1953 angeschafften Trachtenjanker ändern zu lassen oder neue Uniformen anzuschaffen. Durch großzügige Spenden der Einwohnerschaft und einen kräftigen Zuschuss der Gemeindeverwaltung wurde schließlich die Anschaffung neuer Uniformen ermöglicht und am 11. Juli 1959 konnte sich die Kapelle anlässlich des neunten Kreisfeuerwehrfestes in Randegg erstmals in ihrer schmucken Uniform vorstellen. Obwohl die äusseren Umstände nun gefestigt waren kam die Kapelle nicht zur Ruhe. Das Jahr 1961 brachte eine neue Belastungsprobe, Dirigent Müller erklärte den Rücktritt.

Wie schon oft, war die Kapelle für geraume Zeit nicht in der Lage, an Musikfesten befreundeter Vereine teilzunehmen. 1961 übernahm nach entsprechender Ausbildung der Tenorhornist Ewald Nohl das Amt des Dirigenten. Am 25. Juni 1961 war der Musikverein Randegg wieder in der Lage ein Gruppenkonzert durchzuführen.

Albert Faist wurde vom Verbandspräsidenten Seyser die silberne Ehrennadel für 25-jährige Tätigkeit überreicht.

Trotz vieler Rückschläge, begann sich die Lage des Vereins zu festigen. 1964 sollte der Verein sein 100-jähriges Jubiläum feiern, jedoch zwangen widrige Umstände zu einer Verschiebung des Festes. Am 26. Februar 1964 führte der Verein eine groß angelegte Werbung unter dem Jugendlichen durch mit dem Ziel, den dringend nötigen Nachwuchs zu sichern. Von 15 sich meldenden Jugendlichen blieben schlussendlich 5 ihrem Entschluss treu. Am Weihnachtskonzert spielten sie zum ersten Mal in der Kapelle mit. Die Ausrüstung der Zöglinge mit Instrumenten erforderte wiederum große Opfer, jedoch fanden sich auch diesmal verständnisvolle Spender.

Am 27. November wurde der Termin für das 100-jährige Jubelfest endgültig auf den 03.,04.,und 05. Juli 1965 festgelegt und der Vertrag für das Festzelt unterschrieben.

Mit einem großen Festbankett wurde das Fest eröffnet. Nicht weniger als 12 befreundete Musikkapellen gaben sich die Ehre das 100-jährige Jubiläum des Musikvereins Randegg im Rahmen eines Festkonzertes gebührend zu feiern. An den Festlichkeiten beteiligten sich selbstverständlich alle örtlichen Vereine, allen voran der Gesangverein.

Unter Vorstand Bruno Oppe und dem eifrigen Dirigenten Ewald Nohl machte der Musikverein große Fortschritte. Die Zahl der Aktiven hielt sich immer bei 30 Musikern, wobei in der Regel zwei bis drei Mann wegen der Wehrdienstzeit nicht zur Verfügung standen. Während in früheren Jahren das Musizieren in der Blasmusik eine reine Männersache war, schmückt sich der Musikverein Randegg seit 1964 mit Frauen in seinen Reihen.

Sehr gute Beziehungen mit den Musikkapellen der umliegenden Gemeinden, prägten schon immer das Bild bei den jeweils anfallenden Musikfesten. Aber nicht nur in der nähren Umgebung hatte der Musikverein Randegg befreundete Kapellen. Seit 1968 besteht mit der Trachtenkapelle Memmingerberg eine enge Freundschaft, die sich in mehreren Besuchen und Gemeinschaftskonzerten bewährt hat. Ebenso bestehen Verbindungen mit den Musikkapellen aus Kappelrodeck, Bedernau und Jettenburg. Ganz ohne Frage, dass mit dem Musikverein aus unserer Schwestergemeinde Randegg in Niederösterreich seit 1971 eine Freundschaft besteht, die beim 125-jährigen Jubiläum mit einem Besuch bekräftigt wird.

Mit dem Bau der Grenzlandhalle, die Einweihung fand am 06.09. 1968 statt, ging ein lang gehegter Wunsch der Kulturträger und Einwohner von Randegg in Erfüllung. In vielen Veranstaltungen hat sie sich seither, nicht nur wegen ihrer hervorragenden Akustik, bewährt.

In der angebauten Schule stehen dem Verein auch Räume für die Probentätigkeit zur Verfügung.

Als erster Vorstand diente Bruno Oppe dem Musikverein bis im Januar 1971. 15 Jahre lang opferte er viel Kraft und Freizeit in den Verein. Für seine Verdienste um den Musikverein wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. Nicht ganz einfach gestaltete sich die Suche nach einem Nachfolger. Im Oktober 1971 wurde Anton Frei zum Präsidenten, und Willi Lau zum ersten Vorsitzenden gewählt. 1976 wurde die Satzung aus dem Jahre 1926 neu überarbeitet und den heutigen Belangen gerecht neu gefasst. So finden unter anderem Neuwahlen nur noch alle zwei Jahre statt. Nach entsprechendem Antrag erfolgte auch die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht. Willi Lau verzichtete im November 1976 auf eine Wiederwahl und wurde als 1. Vorsitzender von Anton Frei abgelöst, der dieses Amt bis 1981 führte. Anton Frei wurde für seine Verdienste zum Ehrenvorstand ernannt. Seit 1981 führte Günter Stransky die Geschicke des Vereins. Ewald Nohl, der den Musikvereins als Dirigent im Mai 1960 als 22-jähriger übernahm, erklärte zum 30.04.1976 seinen Rücktritt. Mit großen Eifer und viel Elan, aber auch viel Geduld, führe Ewald Nohl die Kapelle aus dem Tief wieder zu einem guten Klangkörper heran. 1972 und 1975 stellte sich die Kapelle unter seiner Leitung den Juroren beim Wertungsspiel und konnte dabei hervorragende Erfolge erzielen. In Robert Huber hatte der Verein bereits wieder einen neuen Dirigenten gefunden. Er trat sein Amt 10.05.1976 an. Leider stellt sich schon bald heraus, dass sein Temperament mit dem der Kapelle nicht in Einklang zu bringen war; Robert Huber stellt seinen Dirigentenposten am 06.03.1978 wieder zur Verfügung . Schon am 17.03.1978 war mit Josef Höliner, der neue Dirigent in Aktion. Er leitete die Kapelle bis am 13.12.1983. Josef Höliner, ein noch junger Dirigent, strebte nach Höherem und konnte die freiwerdende Stelle des Dirigenten in Worblingen übernehmen. Auf der Suche nach einem neuen Dirigenten fiel die Wahl auf Ewald Nohl, der wieder seit einiger Zeit der Kapelle als aktiver Musiker und Vizedirigent zur Verfügung stand. Anläßlich des Winterkonzerts 1988 wurde ihm vom Hegaumusikverband für seine nunmehr 20-jährige Dirigententätigkeit die goldene Ehrennadel verliehen.

Eine gesunde Alterstruktur zeichnete zu dieser Zeit den Musikverein Randegg aus. So waren am 125-jährigen Jubiläum 10 Aktive MusikerInnen mehr als 25 Jahre der Blasmusik treu, drei davon über 40 Jahre. Dem Musikverein gehörten im Jubeljahr 41 aktive MusikerInnen an.